Weihnachten in Uganda zu erleben, fühlt sich an wie in einer Parallelwelt. Es war auch das erste Mal, dass ich eine Art „Kulturschock“ hatte, da die Traditionen hier so gegensätzlich zu meinen vertrauten sind.
Erst einmal war es für mich schwierig, in Weihnachtsstimmung zu kommen. Bei Temperaturen von 35 Grad ist das für einen Österreicher nicht so leicht. Außerdem gibt es durch die ländliche Lage nur wenige äußerliche Reize, die auf Weihnachten hindeuten könnten. Lichterketten, Weihnachtsbäume und ähnliches sucht man hier vergeblich. Zu Hause in Österreich verbinden wir die Weihnachtszeit mit dem Duft von Glühwein, Lichterwelten, Konsum, aber auch Ruhe und Besinnlichkeit. In Uganda hingegen ist Weihnachten ein Fest der Feiern, Gemeinschaft und herzlichen Freude.
Was mich am meisten beeindruckt hat, war die Christmette am 24. Dezember. In Österreich kenne ich diesen Gottesdienst nur als besinnlich und ruhig. Alte Kirchen, erleuchtet durch ein paar Kerzen, und gemeinsames Feiern im Rahmen der Familie prägen dort das Bild. Hier ist es komplett anders. Weihnachten ist hier eines der wichtigsten Feste, aber dies wird nicht im kleinen Kreis der Familie besinnlich gefeiert, sondern laut mit der ganzen Gemeinschaft – zuerst in der Kirche und danach außerhalb. Der Gottesdienst selbst war mehr eine Diskothek als eine Messe. Gute zwei Stunden wurde vor allem gesungen und getanzt. Jung und Alt – alle gemeinsam im gesamten Kirchenraum. Dies war eine spannende Erfahrung für mich, aber ich muss zugeben, es hat mich auch etwas überwältigt. Diesen Kontrast zu der Art, wie ich sonst Weihnachten kenne, hatte ich nicht erwartet.
Was mich ebenfalls begeistert und erstaunt hat, ist der Geist des Gebens. Selbst in Gemeinden mit begrenzten Ressourcen gehen die Menschen großzügig mit dem um, was sie haben. Diese Großzügigkeit zu Weihnachten erinnert mich an die wahre Bedeutung der Feiertage – etwas, das in der Hektik und Kommerzialisierung zu Hause oft verloren geht. Man braucht nicht viel, um etwas zu geben. So ist die Tradition des Beschenkens hier nicht so ausgeprägt wie in den meisten Familien Europas. Man darf nicht vergessen, dass ich hier in einer der ärmsten Regionen Ugandas lebe. Das Geld für Geschenke ist oft nicht vorhanden.
Jedoch ist es in ganz Uganda üblich, dass zu Weihnachten neue Kleidung gekauft wird. Während wir uns in Europa vielleicht über ein Paar Socken lustig machen würden, ist hier Weihnachten oft die einzige Zeit, in der – vor allem Kinder – neue Kleidung bekommen. So können sich alle für die Weihnachtsfeiern herausputzen und festlich kleiden. Für uns mag dies eine Kleinigkeit sein, hier aber ist es eine wunderschöne Tradition, um Weihnachten zu feiern und den wahren Kern der Feiertage zu spüren.
Ich persönlich vermisse Österreich jedoch in diesen Tagen. Weihnachten ist für mich ein Fest der Familie die mir besonders abgeht. Auch alle typischen Weihnachtstraditionen von Keksbacken, Glühwein trinken, Weihnachtsbaum schmücken. All diese Kleinigkeiten sind es die Weihnachten für mich ausmachen…
