Muffige Räume und alte konservative Brüder die im stillen Gebet vor sich hinleben. So stellen sich mitunter viele das Leben in einem Orden vor. Vielleicht trifft das auch auf manche Orden in manchen Teilen der Welt, doch nicht auf die Mill Hill Missionaries zu.
Wie schon im letzten Beitrag kurz erwähnt, habe ich eine eigenes kleines Heim in Moroto (also hoffentlich bald). Doch da die Wegstrecken zwischen den einzelnen Orten relativ groß sind und mein Auto noch nicht bereit war, habe ich die letzte Woche in den beiden Pfarren/Klöstern: Loyoro und Panyangara verbracht. Das Leben mit Ordensbrüdern ist mir nicht ganz neu. Schon in meiner Zeit in Äthiopien habe ich mit den Salesianern (Brüder Don Boscos) gearbeitet und gelebt.
Wenn ich es in einem Wort beschreiben müsste, wie das Leben hier ist so würde ich vermutlich sagen: Männer-WG. Zuallererst muss man mal festhalten, dass alle Missionaries relativ jung sind. Keiner hier ist über 40 (glaub ich zumindest). Auch ist die Art wie man miteinander umgeht, eine sehr offene und ich würde auch sagen liberale. Auch wenn es grundsätzlich eine englischer Orden ist, kommen alle Brüder vom afrikanischen Kontinent doch da sie Missionare sind, aus den unterschiedlichsten Ländern: Kenia, Kamerun, Uganda, … . Natürlich gehört das Gebet für sie zum Alltag (ich konnte dem Morgengebet bis jetzt aber gut ausweichen), doch danach wird beim gemeinsamen Essen auch wieder kritisch über Religion und die Welt gesprochen. Ebenso sind sie – im Gegensatz zu vielen anderen – nicht abgehoben, sondern direkt an den Problemen der Leute dran. Hier in Karamoja, muss man das auch sein. Man muss verstehen, dass der Sonntagsgottesdienst nicht die oberste Priorität hat, wenn gerade Erntezeit ist. Genau hier setzt aber auch Missionarsarbeit an. Die Leute vom Glauben überzeugen durch Taten nicht nur durch Worte. So sind die Mill Hill Missionaries involviert in Schulprojekten, Wasser- und Stromversorgung, Schulungsprojekte, Landwirtschaftsprojekte und und und.
So involviert die Priester auch sind, so seltsam mögen manchmal die Unterschiede im Lebensstandard sein. Als Kloster hat man hier (wie in vielen Orten der Welt) einen relativ hohen und guten Lebensstandard. So auch hier in den beiden Pfarren. Großes Gelände, (relativ) gute instandgehaltene Gebäude und eigenes Personal, welches für einen kocht, putzt und wäscht. Dies ist nicht unbedingt etwas außergewöhnliches in Uganda, doch für mich eine Umstellung. So habe ich es sehr genossen, nicht selbst zu kochen oder mich um die Wäsche zu kümmern. Eigentlich ein traumhaftes Leben. Die kalte Dusche, ist das einzige, was mich etwas stört.
Ich genieße also ein bisschen das Leben im Kloster. Nicht nur den Luxus, sondern auch die Gemeinschaft. Das gemeinsame Essen, die Diskussion sind gerade für einen Neuling wie mich natürlich schön um nicht das Gefühl der Einsamkeit zu bekommen. Doch natürlich bin ich auch froh, wenn ich dann mein eigenes kleines Zuhause in Moroto haben werde. Doch durch die großen Distanzen, werde ich immer wieder mal in den Pfarren unterkommen, und da freue ich mich auch schon drau.
Hier noch ein paar (kleinere) Highlights der Woche:
Neue Kollegen
Wir durften zwei neue „Kolleginnen“ begrüßen. Diese kleinen Welpen sollen in Zukunft neue Wachhunde in Loyoro werden. Zurzeit sind sie noch nicht wirklich abschreckend aber was nicht ist kann ja noch werden.

Auto
Ich durfte auch das erste Mal mit einem Auto im „Busch“ fahren. Das Linksfahren beziehungsweise das Linksschalten war nicht wirklich das Problem. Durch den Regen sind wir jedoch im Schlamm hängengeblieben, doch zum Glück konnte unser Geländeauto durch umschaltbaren Allrandantrieb diese Hürde auch überwinden.
Essenslieferung
Da Hunger immer wieder ein Thema in der Region ist, haben wir Essensvorräte in an diverse Außerstationen verteilt. Diese werden dann bei Bedarf an die betroffenen Personen verteilt.




