Die Weihnachtsferien waren eigentlich schon stressig genug. Abgesehen davon, dass an den Feiertagen immer viel los ist, hatte ich auch noch das Vergnügen, über Weihnachten arbeiten zu dürfen. Das lag vor allem daran, dass der „Big Boss“ aus England für ein paar Tage hier war und wir einige wichtige Dinge besprechen konnten. Doch immer dann, wenn man es am wenigsten erwartet, passieren die überraschendsten Dinge – und so ist es auch bei uns dieses Jahr passiert.

Die Schwester meines Projektpartners (der Pfarrer in Loyoro) ist bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Er war gerade noch bei der Familie, um Weihnachten zu feiern, und schon erreichte uns diese Nachricht. Zwei Vertreter der Pfarren in Karamoja und ich selbst haben uns daraufhin auf den Weg gemacht, um ihn in diesen Schwierigkeiten beizustehen und der Beerdigung beizuwohnen. Es ist nicht leicht, bei einer Beerdigung zu sein, wenn man nicht weiß, was man tun soll. Man fühlt sich unnütz und dennoch war es wichtig, dass wir gekommen sind – schließlich sind wir als Gemeinschaft eine Art zweite Familie für ihn. Nach gut neun Stunden Autofahrt haben wir dann unseren Zielort erreicht: ein kleines Dorf im Süden Ugandas. Wir kamen gerade zum Ende der ersten Messe an. Danach sind wir in einer Kolonne mit dem Sarg zum Haus der Familie gefahren wo sich das ganze Dorf mit ca. 400 Leuten versammelt hat. Es war eine komische Stimmung, die nicht unbedingt mit der uns bekannten Stimmung bei Beerdigungen zu tun hat. Alle sitzen im Garten verteilt, und nacheinander können einzeln, Leute in einen Raum gehen, um sich noch mal persönlich zu verabschieden. Es wurde viel geweint, und viele Frauen stimmten in einer Art Heulgesang ein. Den ganzen Nachmittag über bis in die späten Abendstunden. Die meisten blieben über Nacht für die Beerdigung am nächsten Tag. Wie bei einer Übernachtungsparty legten sie sich auf Strohmatten überall im Garten zum Schlafen. Doch an Schlaf war nicht wirklich zu denken, da gleichzeitig laut Musik gespielt wurde. Ich habe bis jetzt noch nicht wirklich verstanden, warum, aber mir wurde gesagt, dass man hierherkommt, um Abschied zu nehmen und nicht um zu schlafen. Nach also einer sehr, sehr kurzen Nacht, ging es am nächsten Morgen in der Früh gleich weiter. Die Musik lief zu diesem Zeitpunkt nun seit über 12 Stunden, es wurde gefrühstückt und für die Feier vorbereitet. Um 10.00 Uhr begannen die Festlichkeiten mit vielen Reden, und nach einem kurzen Mittagessen folgte die Beerdigung und das Begräbnis. Aufgrund unserer langen Reisezeit machten wir uns direkt nach dem Begräbnis auf den Weg zurück. So kamen wir dann um ca. 23:00 Uhr am 31. Dezember wieder zuhause an. An eine Silvesterfeier war natürlich nicht mehr zu denken. Zu müde und mitgenommen waren wir von der Beerdigung.

Es war eines dieser Erlebnisse, die bedrückend, aber auch intensiv und erfahrungsreich sind. Man lernt sehr viel über eine andere Kultur, wenn man deren Gepflogenheiten beim Thema Sterben beobachten kann. Doch Begräbnisse – vor allem von so jungen Menschen, die mitten aus dem Leben gerissen wurden – sind immer schrecklich und gefüllt mit Trauer. Doch es ist als Gemeinschaft wichtig, den Hinterbliebenen beizustehen. So war es ein schönes Zeichen, dass viele Vertreter des Ordens aus ganz Uganda für diesen Tag angereist sind. Denn sind wir mal ehrlich: In solchen Momenten kann man nicht viel tun, außer für den anderen da zu sein.