Ich bin vor ein paar Tagen über die Grenze nach Kenia gereist. Da ich für meine Projektpartner auf der Regionalebene Ostafrika tätig bin, kam die Idee auf, auch die Projekte und Personen in Kenia kennenzulernen. Die Anreise war mit dem Privatauto natürlich wieder sehr lange, weil die Distanzen einfach riesig und die Straßen nicht immer die Besten sind aber das wirklich mühsame war für mich der Grenzübertritt.
Polizei und Militärpräsenz ist für mich hier nichts Neues. Für alle die in afrikanischen Ländern schon unterwegs waren, wissen, dass es hier anders läuft als in Zentraleuropa. Nicht nur gibt es mehr Kontrollen und Checkpoints, diese sind auch militärisch um einiges mehr aufgerüstet. So sind Maschinengewehre eher die Standardbewaffnung als die Ausnahme. Besonders in einer Region wie Karamoja, welche geprägt war von Unruhen und gewalttätigen Auseinandersetzungen, ist die Präsenz von Polizei und Militär hoch. So passiere ich, wenn ich von Karamoja in die Hauptstadt Kampala fahre, über sieben Checkpoints. Dort kann die Polizei Dokumente und das Fahrzeug überprüfen, bevor sie eine Weiterfahrt erlauben. Ich habe mich inzwischen schon daran gewöhnt, vor allem, weil ich bis jetzt noch nie ein Problem hatte. Vor meiner Ankunft wurde ich des Öfteren davor gewarnt, dass die Polizei korrupt ist und an den Checkpoints nach Gründen sucht, Bestechungsgelder zu bekommen. Ich persönlich kann dies nicht bestätigen – im Gegenteil. Es waren alle bis jetzt sehr freundlich und ich wurde auch selten überhaupt nach meinen Papieren gefragt. Vielleicht liegt es daran, dass ich ein Weißer bin, aber ich glaube ein wichtiger Aspekt ist auch die Art, wie ich mit den Checkpoints umgehe. Ich bin ein großer Verfechter der Strategie: entwaffnete Freundlichkeit. Bevor die Polizisten was sagen, begrüße ich diese und frage sie nach ihrem Tag. Oft sind sie so überrascht von dieser freundlichen Direktheit, dass wir kurz in Smalltalk verfallen und sie mich dann weiterlassen. Ich habe auch das Gefühl, dass viele einfach nur gelangweilt sind und sich mal freuen, wenn ihnen jemand mit Respekt begegnet. Wie man in den Wald ruft so kommt es auch zurück.
Soweit zu meiner derzeitigen Erfahrung mit der Polizei in Uganda. Ganz anders, war für mich die Situation an der kenianischen Grenze. Die Freundlichkeit der Grenzbeamten, ist leider nicht auf dem gleichen Niveau wie die der Polizisten. Der Grenzübergang war sehr unübersichtlich und kompliziert. Oft wusste ich nicht, wohin ich jetzt gehen musste. Besonders wenn man mit einem ugandischen Auto nach Kenia fahren will, benötigt man zusätzlich Papiere und eine eigene Versicherung. Zum Glück hatte ich jemanden der sich um die Papiere des Autos gekümmert hat. Mein größeres Problem war dann meine persönliche Einreise.
Grundsätzlich sind Uganda und Kenia in der sogenannten ostafrikanischen Gemeinschaft. Ein Verbund von Ländern, die politisch und wirtschaftlich eng miteinander verwoben sind. Man kann dies mit einem Vorläufer des Schengenraums vergleichen. So ist zum Beispiel eine große Errungenschaft, dass Einwohner dieser Länder kein Visum für das andere Land brauchen, sondern nur einen sogenannten Interstatepass, der gratis an der Grenze zu machen ist. Da ich im Besitz einer Arbeitserlaubnis von Uganda bin, habe ich ebenso ein Anrecht auf diesen Interstatepass. Nach Fingerabdruckkontrolle und kurzer Befragung habe ich diesen auch bekommen. Jedoch haben mich die Beamten nach 50 USD gefragt. Dies wäre normalerweise der Preis für ein Touristenvisa. Ich muss zugeben, dass ich nach der langen Autofahrt schon sehr müde war, aufgrund der Glasscheiben an der Grenze auch nur wenig verstanden habe (Corona sei Dank‘) und nicht wirklich in der Stimmung war um mit den Leuten dort zu diskutieren. So habe ich – ohne viel darüber nachzudenken – einfach bezahlt. Erst nachher bin ich draufgekommen, dass der Interstatepass gratis ist und ich auch keinen Beleg für meine 50 USD bekommen habe. Naja, long story short: irgendjemand freut sich jetzt über meine 50 USD. Ich weiß nicht, ob es passiert ist, weil ich ein Weißer bin oder einfach nicht aufgepasst habe, aber der Fakt ist: ja Korruption ist real. Es passiert oft dann, wenn man es gar nicht erwartet, aber es sind auch nicht immer alle. So bin ich nun 50 USD ärmer aber auch um eine Erfahrung weiter. Ich werde dennoch auch in Zukunft immer vom Positivem ausgehen. Aber ab jetzt bestehe ich auf einen Zahlungsbeleg an der Grenze.
