Diese Woche ging es – nach dem Abschluss des „In-Country Trainings“ endlich in mein Einsatzgebiet: Karamoja. In meinem ersten Beitrag habe ich geschrieben, dass der klassische Kulturschock in Kampala ausgeblieben ist aber ich muss zugeben, diese Woche hat es mich ein bisschen erwischt.

Am Montag traten der Direktor des Regionalbüros, der Fahrer und ich die Reise von Kampala nach Moroto an. 477 km klingen zwar machbar für einen Tag sind aber, besonders in den Städten, verbunden mit viel Verkehr und benötigen daher auch viel Geduld und Ausdauer. Nach 8 Stunden kamen wir schlussendlich in unserem Hotel in Moroto an.

Landschaft auf den Weg nach Moroto

Moroto
Moroto gilt ein bisschen als das Tor in die Karamoja Region, zumindest für NGOs und UN-Organisationen. So findet man in Moroto ein Schild nach dem anderen welches auf die eine oder andere Organisation hinweist. Karamoja ist nach wie vor einer der ärmsten Regionen Ugandas und auch oft von äußeren Umständen wie Konflikt, Dürre und Hunger betroffen. Dies ist auch der Grund für die hohe internationale Präsenz. Ich reihe mich nun ebenso in diese Gruppe ein, da ich mich mit horizont3000 darauf geeinigt habe, meine (Haupt-)unterkunft in Moroto zu haben. Einerseits aufgrund der guten Infrastruktur, andererseits aufgrund des hohen Sicherheitsstandards in der Stadt. Wir haben uns zusammen eine passende Unterkunft angesehen, die in den kommenden Wochen für mich bereit gestellt werden soll. Da Moroto viele internationale NGOs beherbergt, sind die Preise dort auch um einiges höher als in vielen anderen Städten Ugandas > dies betrifft sowohl Mieten wie auch die Produkte für das tägliche Leben.

Doch eigentlich hält mich in Moroto (zumindest bis zum Ende des Jahres) nichts, außer meine eigene Unterkunft. Meine Arbeitsstellen sind eigentlich die zwei Pfarren der Mill Hill Missionaries in Panyangara/Kotido und Loyoro. Mit Anfang nächsten Jahres bekommen sie dann auch eine Pfarre in Moroto dazu. Da es aber in den ersten Tagen vor allem darum geht, die Partner und die Projekte kennenzulernen, sind wir am Dienstag – nach einem kurzen Besuch beim Bischof in Moroto – gleich Richtung Panyangara weitergefahren.

Panyangara/Kotido
Die Pfarre in Panyangara, nähe Kotido ist nochmal eine ganz andere Welt als Moroto. Wo uns nach Moroto noch eine halbwegs asphaltierte Straße gebracht hat, sind hier nur noch Schotter- und Lehmstraßen zu finden. Während der Fahrt wird das Gebiet immer ländlicher und die Siedlungen werden immer spärlicher. Außerhalb den „größeren“ Städten lebt man in Lehmhütten und auch sonst ist das Leben anders als wie man es von Kampala kennt. Auch die Pfarre und das Kloster überraschen mich durch die ungewöhnliche Bauart.

Pfarrgebäude in Panyangara

Der Empfang durch die Priester war sehr herzlich, kein Wunder da ich eigentlich schon alle in Kampala kennengelernt habe. Nach einem kurzen Besuch der unterschiedlichen Projekten/Aktivitäten der Pfarre, war der Tag auch schon wieder vorüber.

Am Mittwoch haben wir uns in der Früh gleich wieder verabschiedet und wir fuhren an unsere vorerst letzte Station: Loyoro.

Loyoro
Was Moroto zu Kampala ist, ist Loyoro zu Moroto. Wenn man schon in Moroto gedacht hat, es ist ruhig und ländlich so kommt man in Loyoro wirklich drauf, was ländlich heißt. Die Pfarre und das Kloster Loyoro liegen mitten im nichts umringt von einigen einzelnen Hütten und Feldern. Mir gefällt diese Ruhe aber. Sie nimmt einen den Stress den man häufig in Städten verspürt. Mir war sofort klar, hier laufen die Uhren etwas anders. Nachdem ich auch dort gut angekommen bin, haben sich der Regionaldirektor und der Fahrer wieder auf den Weg nach Kampala gemacht. Ich werde jedoch die erste Zeit hier in Loyoro bleiben. Erstens möchte ich die Leute, die Projekte und die Region besser kennenlernen, zweitens ist mein Auto (welches für meine Mobilität unverzichtbar ist) noch nicht da weshalb es Sinn ergibt, eine Zeit zusammen mit den Priestern in Loyoro zu verbringen.

Wenn ich übrigens hier von Priestern/Fathers rede, da darf man sich nicht alte konservative Geistliche vorstellen. Die Mill Hill Missionaries hier sind alle junge, aufgeklärte Personen die direkt mit den Leuten in der Region zusammenarbeiten und daher wissen, was für das Leben hier wichtig ist. Ich habe mich sofort in der Runde wohlgefühlt und ich zweifle nicht daran, dass sich hier einige Freundschaften bilden werden.

Die letzten Tage habe ich also verbracht, die Region rund um Loyoro besser kennenzulernen. Ich war in einigen Außenstationen, Schulen, Kapellen usw.. Auch wenn ich überall sehr freundlich begrüßt wurde und häufig die Sensation der Woche war (weil ich ein Mzungu bin, also ein Weißer), so haben die Bilder und die Geschichten der Fathers mich doch getroffen. Armut ist etwas, was ich in Österreich nur sehr selten beobachte und dies auch sehr gefiltert. Nicht, dass es Armut in Österreich nicht gibt, doch ich komme persönlich kaum damit in Berührung. Hier in Karamoja kann man dieser Seite jedoch nicht entrinnen. Dabei geht es gar nicht um den Besitz, wie viel jemand verdient oder wie viele Güter jemand hat, sondern um die Sicherheit. Wenn ich in Österreich obdachlos werde, so muss ich normalerweise keine Angst haben zu verhungern. Unser Sozialsystem zusammen mit vielen Organisationen wie Caritas, Volkshilfe und Co. können dies verhindern.
Hier ist die Situation eine andere. Soziale Absicherung durch den Staat gibt es nicht. Man ist auf die eigene Familie beziehungsweise auf die Community angewiesen. Doch auch diese Hilfe ist beschränkt. Wenn es zum Beispiel wieder zu wenig regnet und die Ernte somit ausfällt. Diese Lebensrealität ist nicht leicht zu verdauen. Sie ist soweit weg von meiner eigenen Lebenserfahrung. Auch wenn ich die nächsten zwei Jahre hier leben werde, so werde ich trotzdem niemals in dieser Unsicherheit leben müssen, mich oder meine Familie nicht ernähren zu können.

Diese Bilder und Geschichten zeigen leider die Schattenseite dieser sonst wunderschönen und faszinierenden Region. Karamoja ist geprägt von einer vielfältigen Tierwelt, alter Kulturen und Riten sowie einer Landschaft die aus dem König der Löwen Film stammen könnte. Doch dazu ein andermal mehr…

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