Mein letzter Beitrag ist nun schon einige Zeit her, dabei habe ich meinen Blog weder vergessen noch die Lust verloren. Leider war es zeitlich in den letzten Wochen einfach sehr eng:

erstens waren die letzten Wochen sehr ereignisreich, was die Arbeit vor Ort angehen. Unser ‚Women and Youth Empowerment Project‘ (das größte Projekt von meinen Projektpartnern in Karamoja) befindet sich zurzeit in seiner Endphase und endet mit Ende diesen Jahres. Dies hat uns den Anlass gegeben, die derzeitige Projektphase zu Evaluieren. Hierfür haben wir einerseits ein Finanzaudit durchführen lassen (von der Finanzmanagerin der Mill Hill Missionaries aus Nairobi), andererseits hat eine externen Beraterin das Projekt inhaltlich evaluiert. Beide Besuche und Prozesse waren sehr anstrengend für alle Beteiligten aber auch sehr aufschlussreich. Zusammen mit dem finanzielle Audit, kam auch eine Einführung und Einschulung in eine Buchhaltungssoftware die in Zukunft von allen Pfarren und Projekten der Mill Hill Missionaries in Ostafrika genutzt werden sollen. So eine Neuorientierung ist natürlich nicht einfach für die Verantwortlichen, doch langfristig soll es nicht die finanzielle Abrechnung erleichtern, sondern auch sicherstellen, dass die Gelder korrekt genutzt werden.

Der zweite Teil war der Besuch der externen Beraterin: Jennifer. Ich kannte sie schon von einem kurzen Besuch letzten Jahres. Jennifer würde ich am als Powerfrau bezeichnen. Es ist nicht leicht als Frau in Uganda in einem so männerdominierten Sektor nicht nur zu arbeiten, sondern auch durch fachliche Expertise aufzufallen. So nimmt sie sich kein Blatt vor den Mund und spricht die Probleme direkt an: eine Qualität die man nicht immer findet. Gleichzeitig kennt sie das Projekt, die Beteiligten und das Umfeld in welchem wir arbeiten. So hat sie zwei Wochen in den zwei Pfarren hier in Karamoja verbracht, Interviews und Diskussionen mit den Mitarbeiter:innen geführt, sich mit den Betroffenen ausgetauscht und und und. Eine sehr intensive Zeit die uns aber sicher einen guten externen Blick auf die Sache gibt.

Mit Ende es derzeitigen Projekts, hoffen wir natürlich auf eine nächste Projektphase. In der Entwicklungszusammenarbeit werden häufig Projekte für eine Zeitraum (im Schnitt so 3 Jahre) geplant und finanziert. Nach Ablauf dieses Zeitraums versucht man meist eine nächste Projektphase einzuleiten um das Projekt weiterzuführen. Auch wir wollen dieses Projekt weiterführen und haben dafür grundsätzlich auch schon grünes Licht von unseren Geldgebern aus Österreich bekommen – ein Umstand der nicht selbstverständlich ist und der basiert auf jahrelanges gutes Zusammenarbeiten und Vertrauen. Mit dem Abschluss der Evaluierung und dem finalen Evaluierungsbericht (welchen wir in den nächsten zwei Wochen bekommen sollten) startet für uns die Planung der nächsten Phase. Denn auch wenn unsere Geldgeber schon ihre Unterstützung erklärt haben, müssen die nächsten drei Jahre geplant werden. Von Projektmanagement über das Budget bis hin zu Mitarbeiter:innen und den geplanten Aktivitäten. All das, müssen wir in den nächsten Monaten in eine Projektantrag füllen. Keine einfach Sache, bei einem kleinen semiprofessionellen Team. Große NGOs haben oft unzählige Personen, die nichts anderes tun, als Projektanträge zu erstellen und nach Geldgebern zu suchen. Hier müssen wir neben den eigentlichen Tätigkeiten diese Aufgabe übernehmen. Oft steckt man viel Zeit in einen Antrag, der dann abgelehnt wird – ein frustrierender Zustand der im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit aber der Standard ist. So werden auch wir uns jetzt an diese Aufgabe wagen – die letzten Jahre reflektieren, ausmerzen was nicht gut lief und ausbauen was erfolgreich war. So entsteht Schritt für Schritt ein neues Projekt.

Aber das ‚Women and Youth Empowerment Project‘ ist nicht das einzige Projekt hier. Letzten Monat haben wir auch noch ein neues Projekt gestartet: Greening Project – Karamoja. Die Folgen des Klimawandels trifft immer die schwächsten Personen einen Gesellschaft zuerst und hier sieht man besonders die Abhängigkeit von einem stabilen Klima. Ernteausfälle sind leider Alltag und existenzbedrohend. So wollen auch wir unseren Beitrag leisten. Das Greening Projekt läuft jetzt mal für ein Jahr – ein Art Versuchsjahr – mit der Hoffnung auf ein langfristiges Projekt. Der Fokus ist wie der Name schon vermuten lässt, in der Aufforstung der Region, mit gleichzeitiger Sensibilisierung. Ebenso geht es aber auch um die Verbesserung der Lebensumstände der Beteiligten. So soll die Aufforstung nicht nur dem Klimaschutz dienen, sondern auch mögliche finanzielle Vorteile für die Beteiligten bieten. So werden Obstbäume genauso gezüchtet, wie schnell wachsende Pflanzen wie Bambus, welcher dann als Brenn- oder Bauholz dienen kann. Auch wollen wir energiesparende Öfen einführen, welche den Verbrauch des Brennholzes weiter reduzieren soll. Grundsätzlich ein sehr simples Projekt, welches aber natürlich trotzdem wieder viel (administrativen) Aufwand für die Mill Hill Missionaries bedeutet.

So beschäftigen diese Projekte die Missionaries, die Mitarbeiter:innen und mich natürlich sehr. Gleichzeitig sind meine Tätigkeiten in den letzten Monaten immer weiter gewachsen, bis auf die globale Ebene: Ich bin im Team, welches eine neues Strategiepapier für Entwicklungsprojekte für die Mill Hill Missionaries auf globaler Ebene schreibt, ich bin verantwortlich für die Einführung eines Cloudservice, welcher als Datenspeicher und Austauschplattform dienen soll (basierend auf Windows365 Teams). Ebenso stehe ich als Vernetzungspunkt der unterschiedlichen Regionen zur Verfügung und als Ansprechpartner und Unterstützung für neue Projektanträge. Alles in allem wird mir nicht langweilig, ganz im Gegenteil. Auch wenn ich zurzeit ganz andere Tätigkeiten verfolge als ursprünglich gedacht, so gefällt mir die Abwechslung und auch der internationale Aspekt meiner Arbeit. Es ist spannend, sich z.B. mit der Region in Indien auszutauschen und Lösungen zu diskutieren die in anderen Regionen schon funktionieren. So bin ich häufig gar nicht der Experte, sondern mehr der Vermittler und Berater innerhalb der Mill Hill Missionaries: genau die Rolle die ich haben will!