Uns geht das Geld aus. Zumindest ist das der Tenor in den meisten Ländern Europas. Natürlich stimmt das so nicht. Geld wäre genug da, doch Krisengewinner werden nicht zur Kassa gebeten (über Erbschafts-, Vermögens- bzw. Vermögenszuwachssteuern wird sowieso nicht diskutiert) und gleichzeitig werden mehr Gelder ins Militärbudget gesteckt, da der Krieg in der Ukraine mit dem gleichzeitigem Vertrauensverlust in die USA die europäische Länder zwingt, wieder mehr in die Verteidigung zu investieren. Doch um all diese Dinge geht es nun gar nicht, sondern nur um die Tatsache: uns geht das Geld aus.
Zumindest für andere wichtige Bereiche scheint das Geld auszugehen. Vor allem für die Bereiche Klimaschutz und Entwicklungszusammenarbeit. Denn diese beiden Bereiche hängen stärker zusammen als man auf den ersten Blick vermuten würde. Der Klimawandel ist einer der größten Gefahren unserer Zeit. Außerdem ist sie die „ungerechteste“ Gefahr, welche existiert. Die Reichsten 1% der Weltbevölkerung sind für 15,9% des CO2 Ausstoßes verantwortlich, die Reichsten 10% sogar für 49,8%.1 So beschreibt Oxfam die Ungleichheit folgendermaßen:
„Allein die Emissionen der Privatjets von Elon Musk summieren sich jährlich auf etwa 5.500 Tonnen CO2, so viel wie die durchschnittlichen weltweiten pro-Kopf Emissionen in 834 Jahren.„2
Dazu sind besonders die reichsten 10% dafür verantwortlich wie unsere Wirtschaft in Zukunft aufgebaut sein wird. Deren Investitionen in klimaschädliche Sektoren (Öl, Gas, Zement, …) tragen maßgeblich dazu bei, dass wir unsere Klimaziele Jahr für Jahr nicht erreichen. So kann der Durchschnittsbürger noch so viel Öffentlich fahren (was er auch tun sollte), solange die Reichsten 10% ihre Verantwortung nicht wahrnehmen, werden wir nicht weiterkommen.
Gleichzeitig sind die Auswirkungen des Klimawandels genauso ungerecht verteilt. Der ärmste Teil der Bevölkerung spürt die Auswirkungen zuerst – egal in welchem Land der Welt. Bei den kalifornischen Waldbränden, wo die Reichen sich private Feuerwehren leisten, während alle anderen zuschauen mussten, wie ihre Besitztümer zerstört wurden oder in Österreich wo Überschwemmungen ganze Gemeinden und Existenzen auslöschen während die, die es sich leisten können, sich einfach in ihren Zweitwohnsitz verziehen. Oder aber hier in vielen Teilen Afrikas, wo der Klimawandel die schon schwierigen Bedingungen noch mal verschärft. In einem von der Landwirtschaft abhängigen Gebiet, wie in Karamoja wo ich derzeit lebe, sind die Auswirkungen besonders stark zu spüren. Ausbleibende oder unkontrollierbare Regenfälle machen den Ackerbau zu einem Glücksspiel. Besonders, da es hier nicht – wie in vielen Teilen Europas – den Luxus von z.B. Bewässerung gibt. So sank die landwirtschaftliche Produktivität in den letzten 50 Jahren in Uganda um 25%-30%.1 In den Ländern des globalen Nordens ist dieser Anteil um einiges geringer durch wie schon erwähnt den Möglichkeiten von Bewässerung aber auch durch besseren Zugang zu Technologien wie Meteorologie, Gentechnik und Saatgut, Dünger, usw. All dies zeigt wie unfair der Klimawandel ist. Sowohl in der Entstehung als auch in den Auswirkungen.
Aber was können wir jetzt tun und inwiefern spielt die Entwicklungszusammenarbeit (EZA) eine Rolle dabei. Nun, wenn wir wirklich weniger Gelder zur Verfügung haben (sowohl für EZA als auch für Klimaschutz) warum nützen wir diese dann nicht effizienter? Für das Klima ist es grundsätzlich egal, wo wir CO2 einsparen und wir können dies oft um einiges günstiger schaffen, wenn wir es in Ländern des globalen Südens umsetzen. Wenn wir politisch nicht bereit sind, bei den Hauptverursachern anzusetzen (den obersten 10%), dann nutzen wir unsere übriggebliebenen Ressourcen so effizient wie möglich. Ein spannendes Projekt in diesem Kontext ist das Project Drawdown3. Es sammelt Lösungen und beschreibt die CO2 Einsparungspotential mit den dazugehörigen Investitionskosten sowie die langfristige finanzielle Auswirkungen.
Ein anschauliches Beispiel ist die Kategorie Clean Cooking. Ein hoher Anteil der Bevölkerung in Afrika, Asien und Südamerika sind auf fossile Brennstoffe angewiesen, wenn es um die Zubereitung von Speisen geht. Nicht nur die Abhängigkeit, sondern auch die Effizienz ist dabei ein großes Problem. Anstatt nun also Holz oder Kohle zu verwenden, könnte eine Umstellung auf effizientere Methoden wie Solar, Strom, Gas, usw. einen hohen Betrag and CO2 einsparen. Diese Maßnahmen sind natürlich nicht billig, doch man könnte mit dem gleichen Geld in Europa viel weniger CO2 einsparen.
Ein anderes spannendes Beispiel wäre das Thema Sexuelle Bildung und Familienplanung. Durch qualitative Bildung im Bereich sexuelle Reproduktion und Familienplanung schafft man es nicht nur die Rechte von Mädchen und Frauen weltweit zu stärken, sondern auch CO2 zu sparen durch verringertes Bevölkerungswachstum. Vielleicht ein nicht umstrittener Ansatz und man kann das jetzt gut oder schlecht finden. Der Hauptpunkt bleibt bestehen: in der Entwicklungszusammenarbeit kann man viel für den Klimaschutz machen und das oft günstiger als bei uns zuhause. So könnte man durchaus einen (noch größeren) Anteil der Gelder für (indirekten) Klimaschutz im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit einsetzen. So hat man den doppelten Effekt. Den Klimaeffekt da hier die Ärmsten die Hauptbetroffenen sind, und den direkten Effekt der Entwicklungszusammenarbeit, da durch die Umsetzung von lokalen Projekten auch direkt Gelder in die dortige lokale Wirtschaft gebracht wird.
Eigentlich würde ich mir wünschen, dass wir uns als Gesellschaft nicht entscheiden müssten zwischen Klimaschutz und Entwicklungszusammenarbeit. Ich bin auch der Meinung, dass wir als Menschheit genügend Gelder zur Verfügung haben, die Verteilung und der fehlende politische Willen zurzeit aber nicht in der Lage sind diesen Graben zu überwinden. So ist die Methode der Nutzung der EZA für Klimaprojekte natürlich kein Allheilmittel. Schon gar nicht, wenn dann die Verantwortung weitergeschoben wird (so wie bei uns gerne mit Sätzen wie: Aber China produziert viel mehr CO2). Alle müssen ihren Beitrag leisten – besonders die obersten 10%! Doch können wir – bis der politische Wille dafür vorhanden ist – die vorhandenen Mittel vielleicht besser einsetzen.
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1 Klima der Ungleichheit, OXFAM 2023: Klima-Ungleichheit_Oxfam_20231120.pdf | Bereitgestellt von Box
2 Pressemitteilung, OXFAM 2024: Milliardär*innen verursachen in 90 Minuten mehr Treibhausgase als der Durchschnitt in einem ganzen Leben
3 Project Drawdown, Table of Solutions | Project Drawdown
