Nicht nur in Europa beginnt im Herbst wieder die Schule, sondern diese Woche auch hier in Uganda. Natürlich sind die Kinder und Jugendliche überall aufgeregt, wenn es zurück in die Klassenräume geht, allerdings sind hier einige Dinge ganz anders.

Schulpflicht

    Offiziell gibt es seit 1997 auch in Uganda eine Schulpflicht (für die ersten sieben Jahre). Dies ist jedoch eher theoretisch zu sehen, da es keine praktischen Konsequenzen gibt. Viel relevanter ist jedoch das Anrecht auf Bildung in diesem Alter. Das heißt, dass jedes Kind, welches in die Schule gehen möchte (oder die Eltern das möchten) die Möglichkeit vom Staat dafür bekommen muss. Natürlich ist dies in der Praxis nicht einfach umzusetzen. Wie soll man hier als Bildungsministerium planen? Die größte Schwierigkeit ist schon mal zu wissen, wie viele Kinder im Schulalter sind. In Österreich wird jede Person bei der Geburt durch eine Meldung an den Staat erhoben. Dadurch weiß der Staat nicht nur wer im Land lebt, sondern auch in welchem Alter diese Person ist und damit auch ob diese Person schulpflichtig ist. In Uganda gibt es so eine automatisierte Meldung nicht (weshalb die Schulpflicht in der Praxis hier nicht umzusetzen ist). Das ist nicht nur für die Schulpflicht interessant, sondern auch für viele andere Dinge (z.B. Steuerpflicht). Dies ist unter anderem ein Grund, weshalb es alle paar Jahre eine Volkszählung gibt – eine Sache, die bei uns überflüssig ist. Diese Unsicherheit in der Planung, macht es sehr schwer (langfristig) zu planen und die richtige Kapazität bereitzustellen.

    Stellenwert

    Der zweite wichtige Punkt ist der Stellenwert von Bildung. Auch wenn Bildung als wichtigstes Tool für die Armutsbekämpfung gilt, so ist der Stellenwert – besonders im ländlichen Gebiet – sehr gering. Vielen Eltern ist es egal ob ihre Kinder in die Schule gehen oder nicht. Im Gegenteil. meist verlangen sie von diesen, dass sie im Haushalt helfen (z.B. als Hirten). So ist es in Karamoja eher die Regel als die Ausnahme, dass Kinder anstatt in der Schule lernen, am Feld mit den Tieren sind. So sehen viele die Schule nicht als Ort um sich ausbilden, um es vielleicht mal besser zu haben als die eigenen Eltern, sondern eher als Zeitverschwendung, die einem von der Arbeit abhält. Dieses Bild kommt häufig von der kulturellen Erziehung sowie der geringen sozialen Aufstiegschance.

    Selbst die Kinder, die die Schule besuchen, haben oft nicht das Lernen als Hauptgrund. In der Schule gibt es fast überall eine Mahlzeit, was für viele Kinder und Jugendliche eine Sicherheit garantiert, die sie zuhause nicht haben. Diese Mahlzeit ist oft auch dem Grund geschuldet, dass viele Schulen sogenannte Bording Schools sind – also eine Art Internat. Dort können die Kinder nicht nur in einer sicheren Umgebung lernen und leben, sondern bekommen auch – oft zu einem geförderten Beitrag – fixe Mahlzeiten und einen schönen Platz zum Schlafen. Schule ist hier also oft mehr als nur ein Ort der Wissensvermittlung.

    Infrastruktur

    Nach dem letzten Zensus (2024) sind über 50%!! aller Personen in Uganda unter 18 Jahre. So müsste es eigentlich für jede zweite Person in diesem Land einen Schulplatz geben. Dieser unglaubliche Anteil kann niemals erfüllt werden. Einerseits fehlen die Anzahl an Klassenräume aber auch Materialien, Gelder und Lehrpersonal. Andererseits kann sich ein Land wie Uganda diesen Anteil gar nicht leisten. So gibt es im Verhältnis zu wenig Personen, die Steuern zahlen und damit das Bildungssystem finanzieren. So gibt es nicht nur zu wenig Schulen bzw. in zu schlechter Qualität, sondern viele sind auch privat geführt (z.B. NGOs) und werden damit aus Geldern aus dem Ausland am Leben gehalten. Solange sich die Anzahl der Schüler:innen langfristig nicht in produktive Steuerzahler:innen verwandeln, kann sich das System nicht ausgehen. Doch die derzeitige niedrige Produktivität sowie eine hohe Arbeitslosigkeit (besonders in der jungen Bevölkerung) zeigt keine rosige Zukunft und auch wenig Anreize, mehr Schüler:innen in die Schulen zu bekommen.

    Abschluss – und dann?

    So steht also das Bildungssystem am Land schon vor genügend Schwierigkeiten. Doch selbst wenn Schüler:innen hier mit guten Noten abschließen – was dann? Eine Weiterbildung an der Universität ist erstens sehr teuer (hohe Gebühren) und zweitens nur in größeren Städten verfügbar. Dieser Umzug belastet finanziell noch mal mehr. Ohne Stipendien oder große Vermögen ist dies für viele aus Karamoja nicht leistbar. Auch eine berufliche Entwicklung abseits einer akademischen Laufbahn ist schwer. Die Angebote sind gering und bringen oft nicht den sozialen Aufstieg, den sich viele versprechen. Es ist meist einfacher, das Geschäft der Eltern zu übernehmen, von der Landwirtschaft und Tagesjobs zu leben oder sich ungelernte Arbeit zu suchen. Hochqualifiziertes Personal wird hier nur wenig gesucht, da es sich kaum jemand leisten kann. So nützen Investitionen in Bildung nicht viel, wenn nicht auch gleichzeitig in Infrastruktur und die damit verbundene Schaffung von qualifizierten Arbeitsplätzen investiert wird. So befindet sich Uganda zurzeit in einem Teufelskreis zwischen hoher Arbeitslosigkeit und geringem Bildungsstand.

    Auch wenn die Aussicht nicht rosig erscheint, so ist auf persönlicher Ebene, jedes Kind, welches die Schule besucht ein Erfolg. Denn nur wenn wir die Kinder fördern, werden die Visionäre der Zukunft erfolgreich heranwachsen. So wünsche ich allen Kindern hier und auf der ganzen Welt einen erfolgreichen Schulstart!