Es ist schon spannend mit wie wenig man eigentlich auskommen kann. Dabei geht es weder um den Trend des Minimalismus noch um Verzicht. Sondern es geht viel mehr um das Eingeständnis, dass mehr und sofort einen weder glücklicher machen, noch einem das Leben vereinfachen.
Ich lebe zurzeit, sagen wir mal, am letzten Ende von Uganda. Nur wenige Kilometer von den Grenzen zu Kenia und Südsudan entfernt, ist die Infrastruktur und die Verfügbarkeit von Produkten nur eingeschränkt vorhanden. Für all die Personen, die sich schwer tun, regional und saisonal einzukaufen, denen kann ich einen Umzug nach Karamoja empfehlen. Natürlich gibt es hier auch importierte Produkte. Ich habe in der benachbarten Stadt sogar schon mal ein echtes Nutellaglas gesichtet! Doch diese Produkte sind einerseits preislich sehr teuer. Für ugandische Verhältnisse sowieso aber auch ich als Europäer musste bei diesem Preis schlucken. Andererseits, vergeht einem nach einer Zeit die Lust nach diesen Produkten. Natürlich denke ich mir manchmal, es wäre schön wieder in Österreich zu sein, wo ich am Handy alles bestellen kann, was ich möchte – von Lebensmittel über Möbel bis hin zu Autos. Hier muss ich teilweise eine Stunde zum nächsten Supermarkt fahren. Bestellungen gibt es defacto nicht. Diese Tatsache verändert das eigene Sozialverhalten. Man plant mehr im vorhinein und Ausflüge in die größeren Städte sind immer auch ein Gelegenheit Dinge zu besorgen.
Vor ein paar Tagen kam einer der Priester nach seinem Urlaub zurück aus der Hauptstadt. Der Pickup war bis oben voll bepackt. Möbel, Setzlinge, Lebensmittel. Die Bandbreite war groß und die Freude auch. Hier gibt es weder ein schwedisches Möbelhaus noch Zustelldienste, die diese Aufgabe übernehmen könnten. Dadurch können gewisse Dinge nicht „over-night“ zugestellt werden. Die Frage ist aber: Brauchen wir das eigentlich?
Man kann es als Luxus und Überfluss bezeichnen, wenn wir in innerhalb von 2-3 Werktagen alle Produkte vor unserer Haustür zugestellt bekommen können. Doch dieser „Luxus“ ist die Kehrseite der Medaille, die uns dazu verführt, keine Geduld mehr zu haben. Welche Dinge brauche ich wirklich sofort? Ich selbst habe in der Vergangenheit nur zu oft, Elektronikteile wie Kabel online bestellt. Doch wozu? Keins dieser Produkte musste ich sofort haben und meist war ich in den kommenden Tagen in der Nähe eines Geschäfts mit genau diesem Produkt. Einerseits ist es die Bequemlichkeit, andererseits die Angst gewisse Dinge nicht zu bekommen. FOMO (Fear of missing out) ist nicht nur ein Phänomen, welches unser Sozialleben beeinflusst, sonders es hat auch Auswirkungen auf unser Konsumverhalten. Eine Sache die das Leben vereinfachen sollte, hat uns Konsumenten zu einer Gruppe von Getriebenen gemacht. Wir müssen alles im schneller bekommen. Egal zu welchem ökonomischen oder ökologischen Preis. Sind wir doch mal ehrlich. Wenn wir auf Amazon und Co. Produkte sehen, die eine Lieferzeit von über 14 Tage haben, dann wundern wir uns und suchen vermutlich nach Alternativen die schneller sind.
Viele diese Dinge können jetzt vermutlich als Anti-Konsum Propaganda gesehen werden und es stimmt. Ich bin der Überzeugung, dass wir oft zu viele Dinge besitzen, die wir gar nicht brauchen (ich selbst bin keine Ausnahme). Doch zusätzlich zu diesem – vermutlich sehr natürlichen menschlichen Bedürfnis viel zu besitzen – hat sich in den letzten Jahren auch noch eine zeitliche Dringlichkeit entwickelt. Unser Leben ist häufig schon schnell genug. Mit Arbeit, Sozialleben und sonstigen Verpflichtungen sind viele schon genug gestresst. Früher war Einkaufen nicht nur ein Weg, Dinge zu besorgen, sondern auch ein soziales Erlebnis, welches Freude gemacht hat. Onlineshopping macht doch nicht mal halb so viel Spaß wie im Geschäft zu stöbern, auszuprobieren und zu vergleichen. Durch unseren Wahn alles online zu bestellen, nehmen wir uns selbst diese Vergnügen. Viele werden jetzt vermutlich sagen, dass sie keine Zeit für so etwas haben. Doch dann stellt sich mir eine Frage. Wenn es so wichtig ist, dass ich es morgen schon haben muss, wieso ist es mir dann den zeitlichen „Aufwand“ nicht wert?
Also, das nächste Mal, wenn man online etwas bestellen möchte, einfach mal nicht tun. Etwas Zeit verstreichen lassen und bei nächster Gelegenheit gemütlich ins Geschäft schlendern und diese Sache besorgen. Glaubt mir. Es gibt nix, was man unbedingt „over-night“ haben muss, es macht irgendwie mehr Spaß und man kauft seltener Blödsinn, welchem man nicht wirklich braucht. Ich habe die nächsten zwei Jahre sowieso keine Alternative.
