Die Weihnachtstage waren in unserer Community geprägt von beruflichen Herausforderungen und persönlichen Schicksalsschlägen. So kam das Jahr 2025 um einiges schneller als gedacht. Doch auch in das neue Jahr sind wir nicht gerade ruhig gestartet. Gleich mit einer Reise nach Kenia.

In der zweiten Jännerwoche fand die Jahresklausur der Mill Hill Missionaries East Africa in Kakamega, Kenia statt. Auch ich wurde dazu eingeladen. Einerseits um die Leute kennenzulernen, andererseits aber auch um mich und meine Arbeit vorzustellen. Dies war natürlich eine ideale Gelegenheit und ich habe mich schon Wochen davor sehr darauf gefreut. Auch weil ich gehört habe, dass die Stimmung und die Atmosphäre in den letzten Jahren immer sehr gut war. Da ich auch noch eine Besprechung zu einem laufendem Projekt in Kenia vor der Klausur hatte, bin ich einige Tage vor Beginn schon noch Kisumu, Kenia gefahren. Kurzer Blick auf die Karte – wieder 10 Stunden Fahrtzeit. So bin ich also gleich um 5:00 Uhr in der Früh los damit ich ja genügend Zeit hatte. Auf dem Weg wollte ich auch noch unbedingt mein Service machen. So habe ich die Zeit des Mittagessens gut genutzt, um in Mbale, Uganda noch mein Auto zu überprüfen. Soweit verlief auch alles gut und ich und meine Mitreisenden waren guter Dinge, dass wir früh in Kenia ankommen.

Doch dann kamen wir an die Grenze. Nachdem mein letzter Grenzüberschritt nach Kenia schon nicht problemlos über die Bühne gegangen ist, habe ich auch dieses Mal mit Komplikationen gerechnet. Aber dass es wieder mal zu so einer Situation kommt, hätte ich nicht gedacht. Wie jedes Mal muss man, wenn man mit seinem eigenen Auto die Grenze überquert, dieses auch beim Zoll anmelden und – wenn notwendig – eine Auslandsversicherung bezahlen. All dies benötigt immer ewig, obwohl ich sogar eine Person hatte, die mir (natürlich gegen einen kleinen Obolus) bei diesem bürokratischen Prozess geholfen hat. Das hat auch soweit gut funktioniert. Das Problem war, wie ich über die Grenze wollte. Für alle die es aus der EU schon nicht mehr gewohnt sind (so wie ich) hier kurz das Prinzip: man geht zum ersten Schalter um aus Uganda auszureisen und dann zum zweiten Schalter um in Kenia einzureisen. Soweit so gut doch leider erklärte mir der Beamte am Ugandaschalter, dass ich gar nicht im Land bin. Ich schaue in nur verdutzt an und frag was er meint. Dann zeigt er mir, dass ich im System das letzte Mal Uganda im November verlassen habe aber seitdem nicht wieder eingereist bin. Ich schaue in meinem Pass nach und tatsächlich. Ich habe vom November einen Stempel im Pass, dass ich Kenia verlassen habe aber nicht, dass ich Uganda wieder betreten habe. Nach langer Diskussion blieb mir nichts anderes übrig, als wieder offiziell nach Uganda einzureisen, damit ich dann wieder aus Uganda ausreisen kann (ich liebe Bürokratie 😉 ). Dazu musste ich natürlich in das andere Gebäude (das welches man normalerweise bei der Einreise nach Uganda braucht). Dort also vorbei am Keniaausreiseschalter (weil das bin ich ja schon) hin zum Uganda Einreiseschalter. Dort ewig mein Problem erklärt bis der Beamte es verstanden hatte was passiert war. Dann sagt er trocken: Ja das muss man jetzt halt rückdatieren (den Stempel). Ich daraufhin: Ja dann machen wir das so! Nach einer gefühlten Ewigkeit und einem Hinweis meines Reisebegleiters habe ich dann kapiert worauf es hinauslauft. Er datiert den Stempel erst zurück, wenn er dafür eine – sagen wir mal finanzielle Motivation – bekommt. Auch wenn ich diese Art der Geschäfte versuche zu vermeiden, war mir relativ schnell klar, dass ich aus dieser Situation nicht anders rauskomme. So habe ich im also schlussendlich 10.000 UGX zugesteckt (umgerechnet € 2,5) worauf er hin mit guter Miene meinen Pass abstempelte. Froh, dass ich endlich wieder offiziell in Uganda bin also wieder ins andere Gebäude zum Uganda Ausreiseschalter. Dort hat mich der Beamte mit einer verschmitzten Lächeln begrüßt (er wusste genau, was ich tun musste). Als ich auch wieder offiziell aus Uganda ausreist bin, also wieder zum nächsten Schalter: der Keniaeinreiseschalter. Und dort ging die Diskussion weiter. Wie schon beim letzten Mal habe ich kein Visa im vorhinein beantragt (war vielleicht nicht so schlau) und habe gehofft, dass ich mit meiner Uganda Aufenthaltsgenehmigung eine kostengünstige Lösung finde. Die Diskussion ging lange und wurde irgendwann sehr lächerlich, als der Beamte anfing mir zu erklären, dass Kenia seit meinem letzten Besuch einen Regimewechsel hatte (absoluter Blödsinn – ich musste fast loslachen). Aber auch hier wurde mir langsam klar, worauf es hinauslaufen wird. Irgendwann sind wir dann an den Punkt angekommen, wo ich gefragt habe was kann man jetzt machen und er hat nur gemeint: entweder zurück und offiziell beantragen (was keine echte Alternative war) oder 30$ (was immer noch günstiger war als der offizielle Preis). Als ich ihm das Geld rüberschob habe ich ganz offiziell gefragt, welches Visa ich das nächste mal beantragen soll und was ich machen kann damit ich es „richtig“ mache. Daraufhin die beste Antwort: Just follow the rules! Mein Mitreisender hat es danach am besten kommentiert als er meinte: Es gibt hier nur eine Regel, die Regel des Geldes!

So bin ich also – etwas frustriert und zwei Stunden später als gehofft – offiziell in Kenia angekommen. Die restliche Fahrt war soweit ok. Allerdings hatten wir das Vergnügen, gleich in zwei Polizeikontrollen zu kommen. Doch abgesehen von der Grenze muss ich sagen, dass ich Kenia wirklich schön finde. Das Essen ist gut und die Landschaft gibt auch etwas her. Auch unsere Besprechungen und die Klausur verliefen sehr gut. So konnte ich während der gesamten Woche mich nicht nur mit vielen Leuten inhaltlich austauschen, sondern auch auf persönlicher Ebene einige neue Kontakte knüpfen. Insgesamt waren ca. 40 Priester und Anwärter aus Uganda und Kenia dort. Von Beginn an war es gleich eine sehr familiäre Stimmung und ich hatte zu keinem einzigen Zeitpunkt das Gefühl, dass ich fehlplatziert war. Ganz im Gegenteil. Alle hießen mich sehr willkommen – viele kannte ich ja zum Glück eh schon und die Meisten waren auch sehr begeistert von den Sachen die ich zu berichten hatte. Gesamt war die Keniareise also ein absoluter Erfolg auch wenn die Grenze mich nun schon das zweite Mal besiegt hat. Aber ich gebe nicht auf!