510 Millionen km². So groß ist die Fläche unserer Erde. Landfläche sind nur etwa 149 Millionen km2 und auf dieser Fläche hat sich der Mensch ausgebreitet. Dabei glaubt man oft, dass aufgrund einer starken Globalisierung alle auf diesem Planeten ähnlich leben. Doch dies entsprich nicht der Realität. Wie unterschiedlich Lebensrealitäten sein können, ist mir aufgefallen, als ich von einem zwei-wöchigen Urlaub aus New York City zurück nach Loyoro, Uganda gekommen bin.
Sprechen wir zuerst über das Offensichtliche. New York ist für viele DER Begriff wenn es um ein kulturelles/wirtschaftliches Zentrum im globalen Norden geht. Nicht umsonst wird in fast jedem Hollywood Sci-Fi Film, New York als erstes angegriffen. Doch nicht nur in Film und Serien wird New York als Traumstadt dargestellt. In Zeitungen wird immer von der Wallstreet gesprochen, wenn es um die US-Börse und Banken geht (also der Inbegriff der Wirtschaft), das berühmteste Wahrzeichen der USA ist sicher die Freiheitsstatue und seit 9/11 ist die Stadt sicher auch der Inbegriff im Kampf gegen den Terrorismus. New York hat sich durchaus seinen Platz an der Spitze verdient. Für mich als Österreicher beeindruckt es natürlich auch, wenn man erfährt, dass alle Einwohner des Heimatlandes in eine Stadt passen – mit dem Wissen, dass New York nicht mal annähernd die größte Stadt der Welt ist – aber sie ist auf jeden Fall groß genug.
Loyoro – also die Pfarre in Uganda in der ich wohne und arbeite – ist das genaue Gegenteil. Das angrenzende Dorf hat vielleicht ein paar hundert Einwohner, verteilt über ziemlich viel Fläche. Kein einziges Gebäude ist mehrstöckig und eine zentrale Strom- oder Wasserversorgung gibt es nicht. Die vorhandene Infrastruktur beschränkt sich auf eine Schule für die umliegende Gegend und eine kleine Krankenstation. Kurz um, weiter weg von „Zivilisation“ oder zumindest dem was wir darunter verstehen, kann man kaum sein. Ich könnte jetzt stundenlang Unterschiede auflisten, doch man kann sich glaube ich schon gut vorstellen, was das alles bedeutet. Natürlich spielt auch Geld dabei ein riesige Rolle. New York – so schöne Seiten diese Stadt auch hat – ist leider eine relativ teure Stadt.
Doch für mich der größte und wichtigste Unterschied und auch jener, der ein Leben hier als Europäer mitunter herausfordert sind die Freiheiten/Möglichkeiten. Dabei meine ich einerseits die großen Themen wie Job- und Wohnungsfreiheit. Hier in Karamoja sind Ausbildungs- und damit auch Jobmöglichkeiten sehr eingeschränkt. In New York gibt es kaum eine Ausbildung oder Karriere, welche man nicht verfolgen kann. Wichtig hierbei festzuhalten: Es geht nicht unbedingt ums Geld, denn natürlich sind in beiden Orten finanzielle Mittel notwendig, doch hier in Karamoja hilft mir auch Geld nicht unbedingt weiter. Der zweite Bereich betrifft mich persönlich in meinem Einsatz. Spontan Abendessen gehen, im Supermarkt alle Freiheiten haben oder in einer Bar was zu trinken. All diese Dinge gehen hier – wenn überhaupt – nur sehr beschränkt. Dabei hilft auch noch so viel Geld nicht.
Ich habe mich inzwischen schon daran gewöhnt. Es war auch von Anfang an klar, dass ich nicht so leben kann, wie ich es auch Österreich gewohnt bin und das ist grundsätzlich auch ok. Da mein Einsatz auf zwei Jahre ausgelegt ist und ich mich auf diesen Zeitraum auch eingestellt habe, sind für mich diese Einschränkungen auch schaffbar. Doch nach diesem Urlaub muss ich zugeben, dass ich überrascht war, wie schnell man sich wieder an diese Freiheiten gewöhnt. Schnell Lust auf ein Eis nach dem Essen? Kein Problem in New York; auf Google Maps schnell eingetippt und innerhalb von 10min schlecke ich schon an meiner Nachspeise. Diese Art zu Leben ist traumhaft und wie ich hier festgestellt habe, ein Luxus. Langsam gewöhne ich mich wieder an das „einfachere“ Leben, wo man eben nicht alles immer sofort bekommt, nur weil man es möchte. Es hat nicht nur Nachteile. Trotzdem muss ich eines zugeben; Ich freue mich auch schon wieder, wenn ich in diesen Luxus nach Österreich zurückkehre.


